Sonntag, 26. April 2015

Paviane, Cobras und Elefanten

Guten Morgen meine Lieben,
und schöne Grüße aus dem sonnigen Südafrika! Nach der letzten Woche, in der wir nachts nicht mehr wussten, unter wie viele Decken wir uns noch kuscheln sollen, wir tagsüber in unseren Schuhen schwimmen konnten und am Freitag sogar wegen zu starkem Regen abbrechen mussten, zeigt uns das südafrikanische Wetter im Moment das es auch anders kann. Wir erreichen hier tagsüber momentan über 30 Grad und Wolken haben wir schon ein paar Tage lang nicht gesehen. Nachts wirds trotzdem ganz schön frisch, deshalb sieht die Arbeitsmontur momentan wie folgt aus: Top, T-Shirt, Pulli, Jacke, Hose, Gummistiefel. Und im Laufe des Tages werden die Schichten dann immer weniger, die Sonnencreme kommt zum Einsatz und gegen 11 ist dann auch das Gras soweit trocken, dass man die Schuhe wechseln kann. (Normalerweise entscheiden sich die Affen IMMER direkt nachdem man die Gummistiefel losgeworden ist, auf die andere Flussseite zu wechseln... wäre ja auch langweilig wenns anders wär!)
Unsere Tage sehen also so aus, dass wir 10 Stunden bei den Affen sind. Wir starten entweder bei Sonnenaufgang oder enden bei Sonnenuntergang - es gibt also "early" und "late days". Jetzt im Winter werden sich die Startzeiten immer mehr aneinander angleichen, aber momentan starten wir entweder um 6:30 oder 8:00 bei den Affen. Während dieser 10 Stunden dokumentieren wir alle 30 Minuten das Verhalten der Affen für 10 Minuten. Also was sie tun, was sie fressen, wer jeweils in der Nähe ist usw. In den 20 Minuten zwischen den Scans sind wir damit beschäftigt Kotproben zu sammeln - gar nicht mal so einfach, wenn die sich immer im Gebüsch verstecken! :)
Pavian
Und natürlich wird jedes auffällige Verhalten sofort notiert - auch außerhalb der Scans. Es ist also immer was zu tun - langweilig wird uns auf gar keinen Fall!
Letzte Woche haben wir mehrmals Besuch von den Pavianen bekommen. Das sind ganz schön riesige Viecher! Also ich hab schon Ponys gesehen, die kleiner waren! Aber sie sind eigentlich sehr scheu, deswegen sehen wir sie meistens nur aus der Entfernung, was auch echt gut ist. Die können einen schon ordentlich erschrecken, wenn plötzlich so ein 50kg Vieh hinter dir vom Baum springt!

Apropos tierischer Besuch: mit noch einem Reservatbewohner hab ich die Woche im Feld Bekanntschaft machen "dürfen": während ich ahnunglos auf einer Wiese bin und unseren Affen folge, hör ich auf einmal hinter mir im Gras entwas rascheln. Ich hab damit gerechnet, dass sich wieder einer unserer Kleinen von hinten anschleicht um mich anzustupsen, aber nein! Hinter mir richtete sich gerade eine Cobra auf... Offensichtlich ist sie aber genauso erschrocken wie ich, ich konnte nämlich davon laufen! Ist jetzt keine Erfahrung die ich unbedingt wiederholen muss, um ehrlich zu sein!

Generell war diese Woche irgendwie verrückt... Am Mittwoch flog plötzlich ein Hubschrauber übers Reservat - stundenlang! Und so tief, dass ich ein perfektes Phantombild des Piloten in Auftrag geben könnte. Und als würde der Lärm nicht reichen den sie sowieso schon gemacht haben, gabs auch noch irgendwelche Sirenentöne dazu. Ich glaub ich brauch nicht zu erwähnen, dass unsere Affen etwas ... naja, unrund waren! Chris ist dann irgendwann mal los, zur Verwaltung vom Reservat um nachzufragen was zum Geier denn da eigentlich los ist. Hehe, am Tag darauf war das Abschneiden der Nashornhörner geplant und um rauszufinden, wo sich die Tiere aufhalten, flog man halt ein paar Runden übers Reservat um sie aufzuscheuchen und gleichzeitig zu zählen, was da sonst noch so rumläuft. Und das alles während wir zu Fuß, teilweise kilometerweit vom Auto entfernt durch die Wälder streifen! Super! Hätte uns ja auch mal wer Bescheid sagen können! Gut, aber somit wussten wir dann auch wenigstens dass das "dehorning" der Rhinos für Donnerstag geplant war! Chris hat dann den Tierarzt gefragt, ob das für uns eigentlich gefährlich wär, wenn dann lauter wütenden Nashörner rumlaufen. Die Antwort "also, normalerweise sind sie ja nicht da wo ihr seid, also, klar, man weiß nie wie die Tiere reagieren.... aber eigentlich... also es sollte schon nichts passieren..." war dann irgendwie nicht zufriedenstellend und somit wurde uns für Donnerstag Arbeitsverbot erteilt.
Ein Tag frei, klingt toll - heißt aber auch dass die Zeit wieder reingearbeitet werden muss. Hieß in unserem Fall: aus dem Samstag mach einen Arbeitstag und kürze somit das We auf einen Tag... Somit ist es heute fast etwas stressig - schließlich muss man das Programm von 2 Tagen in einem unterbringen (Putzen, Wäsche, Daten Backup...) Aber: nächste Woche ist es wieder anders!(Zumindest hoffentlich! Am Sa steht der 2wöchentliche Einkaufstrip an - der kann nicht ausfallen! Was sollen wir denn sonst essen??) :)

Ein Gutes hatte der freie Tag allerdings: nachdem unsere Nachbarn erfahren haben, dass wir nicht arbeiten können und er außerdem wusste, dass ich unbedingt die Elefanten sehen will - kam er am Nachmittag spontan mit seinem Safari-Wagen vorbei und hat uns auf eine Tour mitgenommen um die Elefanten zu suchen!! So wie man sich das vorstellt - 12 Sitze, ohne Dach, und durch Flußbetten, über Stock und Stein und an allerhand Getier vorbei. Nashörner, Büffel, Warzenschweine, Wasserböcke und etliches anderes sahen wir vom Auto aus. Und dann haben wir sie wirklich gefunden: die Elefanten! Ich war happy und somit müsst ihr jetzt ganz viele Elefantenbilder über euch ergehen lassen! :)







Nächstes "to see" Ziel: Giraffen!

Liebe Grüße aus der Ferne und noch einen schönen Sonntag euch!
Kathi


Sonntag, 19. April 2015

Angekommen!

Hallo meine Lieben!
Nun ist es also soweit - meine erste Woche in Afrika ist vorbei!
Aber von Anfang an: nach einer Ca 31stündigen Reise inklusive einem mehrstündigen Aufenthalt am Flughafen Dubai kam ich endlich in Port Elizabeth an. Die Taxifahrt zum Hotel in dem ich die erste Nacht verbringen sollte führte gleich mal an etlichen Wellblechhütten, so groß wie unsere Abstellkammer, vorbei. Südafrika - das Land der extremen Gegensätze! Kinder, die im Müll spielen, neben rießen Villen, umrandet von Elektrozäunen und Stacheldraht. Auch mein Hotel war eines der Gebäude. Unglaublich schön, im Kolonialstil gehalten, mit allem Komfort den man sich nur vorstellen kann. Dennoch: das Wissen darüber, was sich vor der Tür abspielt, hinterlies doch ein etwas komisches Gefühl im Magen...

Hotelzimmer in Port Elizabeth
Wie auch immer: nach einer ausgiebigen Dusche und einem tollen Abendessen (3 Gänge + Bier um 134 ZAR, also 10,20€) gings erst mal ins Bett und lange schlafen! Am nächsten Tag sollte ich gegen Mittag von den Kollegen abgeholt werden, da am Sonntag noch ein PhD Student aus Kanada ankam. Beim Warten auf die Email, ob sie mich vor oder nach dem Flughafen abholen, konnte ich gleich Bekanntschaft machen mit einer weiteren Südafrikanischen Besonderheit: Load shadding. Für 2 Stunden am Tag wird von der Regierung der Strom abgedreht... Keine Chance die Geräte zu laden oder Internet zu nutzen... Aber auch das haben wir irgendwie gemeistert (hab mich endlos lange mit der Dame an der Rezeption unterhalten, da ich irgendwann mein Zimmer räumen musste und immer noch keine Ahnung hatte, wann ich abgeholt werde) und unser Jeep fuhr vor.

Endlich Kennenlernen der Kollen (zumindest ein paar davon). Den restlichen Tag verbrachten wir mit Essen, einer erneuten Fahrt zum Flughafen um eine Kollegin abzuladen die uns an dem Tag verlies, einem weiteren Pubbesuch inklusive Manchester Derby und etlichen Bieren. Geschlafen wurde an diesem Tag in der Stadtwohnung unserer Nachbarn und Verwaltern des Reservates - 4 Personen, 2 Doppelbetten - da lernt man sich gleich mal etwas besser kennen! :)
Unser Jeep
Am nächsten Tag ging es nach einem etwas exzessiven Shoppingmarathon (Lebensmittel und ähnliches für die nächste Woche musste besorgt werden) endlich Richtung Reservat und Richtung Heimat für das Jahr. Nach 3 Stunden Autofahrt bogen wir ins Reservat ein und wurden gleich mal von ein paar Vervet Affen begrüßt, die munter direkt vor uns über die Straße maschierten. The Great Karoo ist ein rießiges Naturschutzgebiet, in dem sich gleich mehrere Private Reserves hintereinander befinden. Unseren Affen sind im zweiten Reservat (Samara) und wir wohnen im letzten (Asanta sana). Die restliche Fahrt war geprägt von Begeisterungsrufen meinerseits, es schien als wollten mich etliche Reservatbewohner willkommen heißen. Kudus, Nashörner, Warzenschweine, Büffel und etliches anderes Getier säumten unseren Weg. 
Unser Outdoor-Wellnessbereich - die Dusche

Küchentür und Wohnwagen


Das Zimmer von Chloe und mir
Unser Wohnzimmer - chaotisch, aber durchaus gemütlich
Das Haus selber ist klein, zweckmäßig und sehr gemütlich. Es besteht aus 3 Schlafzimmer (einmal Chris, die anderen beiden teilen wir 4 Mädels uns), einer Küche, einem Bad und einem großen Wohnzimmer. Und nicht zu vergessen: der Wohnwagen in dem der kanadische Kollege momentan haust. Die Dusche ist ein altes Wasserfaß und somit draußen, gleich neben der Küchentür. (tagsüber voll in Ordnung, nur abends nach der Arbeit ist es hier echt ziemlich kalt und dann wird das Ganze etwas... naja, nennen wir es mal challenging). Auch internettechnisch ist es momentan etwas schwierig, da es letzte Woche wohl einen Blitzeinschlag gab, der die Batterien der Solarpanelle lahm gelegt hat... solange das nicht repariert ist, gibt es Internet und generell Strom nur dann, wenn wir den Generator anwerfen der vor dem Schuppen steht (im ständigen Regen auch nicht immer möglich). Aber wir hoffen das Beste, und hoffen auf eine baldige Besserung der Situation! (Das der Techniker den Termin schon 2mal verschoben hat, brauch ich glaub ich nicht extra zu erwähnen!)
männlich, Infant (noch ohne Namen)
Am Dienstag ging es dann gleich raus ins Feld, schließlich wollen 3 Gruppen von Affen gelernt werden, ich muss ja auch wissen, wen ich da gerade beobachte. Das ist echt eine Aufgabe, langsam (nach 4 Tagen) wird es etwas besser. Inzwischen seh ich Unterschiede in den Gesichtern der Kleinen, am Anfang sahen sie doch alle gleich aus. (Affe, schwarzes Gesicht - ok die Unterscheidung Männchen - Weibchen, Adult, Juvenil und Infant hab ich von Anfang an hingekriegt! ;) )

männlich, adult (Zabi)
Feldarbeit ist anstrengend - 10 Stunden Arbeit jeden Tag, dann noch die 45minütige Fahrt hin und retour will man natürlich auch wieder. Unsere Tage beginnen entweder um 6:30 Uhr oder 8:30 Uhr bei den Affen - es kann sich also jeder ausrechnen wann wir da aufstehen bzw wann wir wieder daheim sind! Aber: es ist toll! Die Leute sind super (was auch gut ist, schließlich verbringen wir die nächsten Monate 24 Stunden am Tag miteinander) und die Affen sind extremst interessant und großartig zu beobachten. Ganz was anderes halt, als auf Video in einem Seminarraum! :)
Wettertechnisch ist es so,  dass wir uns im afrikanischen Herbst befinden und gerade von einer Kaltfront gequält werden. Temperaturen von höchstens 10 Grad klingen nicht so schlimm, aber in einem Haus ohne Isolierung und Heizung, mit nassen Füßen im Feld (da hat kein wasserdichter Schuh eine Chance) und ständigem Regen wird das Ganze schon zu einer Herausforderung. Somit wurden heute beim 2wöchentlichen Shoppingtrip zum nächsten Supermarkt (Fahrzeit ca 1 Stunde) gleich mal Gummistiefel, Thermosocken und warme Hausschuhe für alle besorgt! :)
der Fluss, den die Affen (und somit auch wir) mehrmals täglich überqueren

Landschaftlich ist es traumhaft hier und die Tier- und Pflanzenwelt ist natürlich unheimlich reichhaltig. Gerade, während ich auf unserer Terrasse sitze und das hier tippe, leisten mir 5 Nashörnern Gesellschaft, die in ca 10 Metern Entfernung unseren "Garten" abgrasen. :) Ja, das ist Afrika wie ich es mir vorgestellt habe!


In ein paar Minuten gehts zum samstäglichen Braai (BBQ) bei den Nachbarn, auf dem Heimweg hoffe ich zum ersten Mal auch den Elefanten zu begegnen, die immer wieder mal um unser Haus streunen und Autos zerdellen bzw Wasserfässer zerstören! :) (aber keine Angst, zu unserem Schutz vor den Tieren gibt es den sogenannten "Elefant-wire", ein Stromkabel das in ca 2,5 Metern Höhe einmal ums ganze Haus führt und die Tiere fernhalten soll - dieses hat aber wohl eher einen psychologischen denn einen reelen Effekt!) :)
Meine Lieben, ihr fehlt mir natürlich! Aber ich verspreche weiterhin auch fleissig Fotos hochzuladen um euch wenigstens ein bisschen an dem Ganzen hier teilhaben zu lassen!
Rhinos!!!

Alles Liebe,
Kathi
 
Edit: dank der echt schlechten Quality of Experience was die Internetverbindung angeht, gibts den Post erst heute, am Sonntag! So ein Blogpost ohne Fotos ist dann doch etwas langweilig! Vorallem weil ich gestern extra ne halbe Stunde lang den Nashörnern rund ums Haus gefolgt bin um anständige Fotos zu bekommen!

Und: wieder keine Elefanten für mich...